Portvertikale der Quinta do Vesuvio
"Going vertical" –
Portvertikale der Quinta do Vesuvio
Ein Beitrag von Axel Probst
Spätestens seit Roy Hersh bei seiner Portwein-Tour 2006 eine Vesuvio-Vertikale organisiert hat, hängt die Messlatte bezüglich der Verkostungen der Quinta do Vesuvio sehr hoch. Wir waren zwar nicht auf der sonnigen Terrasse der Quinta in Portugal und haben vorab den aktuellen Jahrgang in den lagares mitgestampft, jedoch war niemand geringeres als Dominic Symington im edlen Restaurant Vau in Berlin vor Ort, um uns sehr interessante Details zu seiner Quinta zu verraten. Organisiert wurde die Veranstaltung von Karsten Kubin und Ruth Lindenblatt – vielen herzlichen Dank nochmals dafür!
Die Quinta do Vesuvio liegt sehr idyllisch unweit der Quinta de Vargellas auf der Südseite des Douro zwischen Numao und Lavandeira. Das Gelände ist riesig, es umfasst 325 Hektar, von denen auf ca. 140 Hektar Weintrauben ausschließlich der Kategorie A angebaut werden. Die Höhenunterschiede auf dem Gelände sind enorm und reichen vom Douro am Ufer auf ca. 130 m bis auf 530 m hinauf. Sogar eine Kirche befindet auf dem Anwesen.
Die Symingtons haben die Quinta 1989 gekauft und stellen dort ausschließlich die Königsklasse des Portweins - den Vintage Port - her. Da der Wein ausschließlich auf dem Gelände der Quinta hergestellt wird, ist es de facto ein Single Quinta Vintage Port. Sollte die Qualität des Jahres nicht für die Deklarierung eines Vintage Port ausreichen, produzieren sie überhaupt keinen Wein. Eine kleine Menge Portwein wird in pipas gelagert; ist jedoch nur für den Verbrauch auf der Quinta bestimmt. Auf die Frage, ob sich die Symingtons die Vermarktung eines Vesuvio Tawny vorstellen können, antwortete Dominic mit einem netten Grinsen, "dass dies in der Zukunft im Bereich des Vorstellbaren wäre" – ob es allerdings aged Tawnies oder Colheitas werden, lies er (bewusst) offen.
Dominic hatte von den Jahrgängen 1989 bis 2005 zehn ausgewählt. Lediglich 1990, 1998, 1999, 2001 und 2004 fehlten von den unter der Symington Familie produzieren Ports der Quinta. Beim Öffnen der zwanzig Flaschen (jeder Jahrgang war doppelt vorhanden) stellte sich nur bei einer Flasche 1989er heraus, dass diese einen mittelschweren Korkfehler hatte.
Die Weine im Einzelnen:
1989 Vesuvio Vintage Port: Thema des 89ers ist der "Douro Bake" – eine Geschmacksnuance, die Portweine durch das Einlagern auf der Quinta bekommen. Fast alle Portweinproduzenten lagern ihre Weine in Vila Nova de Gaia an der Atlantikküste, wo die Temperaturen gemäßigter sind. Die Symingtons lagern den Vesuvio auch heute noch auf der Quinta, haben aber erst 1991/92 Klimaanlagen eingebaut, so dass der 89er die volle Temperaturbandbreite der Jahre 90 und 91 im Fass mitbekommen hat (bis zu 45 Celsius im Sommer): Die Farbe lässt starke Alterungsspuren erkennen, bräunlicher Touch. In der Nase die typische Teernote des "Douro Bake", unterschwellige Frucht und ein spritiger Touch. Sehr seltene Aromen, aber gewiss nicht unangenehm. Am Gaumen zunächst eine süße Würze im Vordergrund, dann setzt ein gut stützender Alkohol ein. Interessant, aber bereits auf dem Höhepunkt. Austrinken!
1991 Vesuvio Vintage Port: Auch beim 91er sind schon starke Altersspuren erkennbar. Der Wein präsentiert sich bereits rötlich-braun. Die Nase ist recht verhalten mit einer leichten Würznote. Am Gaumen präsentiert sich eine nicht sonderlich ausgeprägte Fruchtnote. Mittellanger Abgang. Nicht schlecht, aber kein weiteres Potential.
1992 Vesuvio Vintage Port: 1991 und 1992 waren sogenannte "Split-Declaration"-Jahrgänge: einige Hersteller entschieden sich für die Herstellung eines Vintage Ports im Jahr 1991, andere 1992 und wenige für beide Jahre. Der 92er Vesuvio präsentierte sich im Vergleich zum 91er wesentlich voller mit einem schönen, wenn auch nicht mehr sehr tiefem Rot. Die Nase zeigt sich elegant mit blumigen Noten, Tabak und Kaffee. Dieser Wein schmeichelt sich im Mund förmlich an, weich, mit einer schönen Würze. Im Abgang mittellang. Dieser Wein ist voll entwickelt, wird sich aber noch ein paar Jahre auf diesem Stadium halten. Elegant!
1994 Vesuvio Vintage Port: Schöne tiefrote Farbe, fast schwarz, gute konzentrierte Struktur. Die Nase ist sehr typisch für einen jungen Vintage Port aus einem hervorragenden Jahr. Hier ist alles vorhanden: Süße Würze, Alkohol, Schärfe, Komplexität und Tiefe. Am Gaumen zeigt sich der Port erhaben, gut strukturierter Alkohol, tief, konzentriert. Mein Sitznachbar war von dem Wein nicht überzeugt, da er die Einzelaromen wesentlich schlechter "dingfest" machen konnte. Das konnte ich auch nicht, tröstete ihn aber mit der Komplexität und der Konzentration und versprach ihm, dass man dies in 10 Jahren auch beim 94er Vesuvio kann – guter Vintage Port braucht eben seine Zeit. Mittellanger bis langer Abgang. Noch längst nicht voll entwickelt! Der 94er ist und bleibt mein persönlicher Vesuvio-Favourit. Empfehlung: Wann immer man an diesen Port Hand anlegen kann, sollte man dies tun, denn dieser Wein bringt auch jetzt schon höchste Genüsse.
1995 Vesuvio Vintage Port: Schöne rote Farbe bei mittlerer Struktur. In der Nase blumig (Nelken). Am Gaumen recht weit entwickelt, erstaunlich scharfer Alkohol. Im Abgang recht kurz. Wird sich noch 5 Jahre halten; gefiel mir nicht besonders.
1996 Vesuvio Vintage Port: Sowohl 95 als auch 96 gehören zu den nicht generell deklarierten Jahren, so dass man hier auch keine Blockbuster erwarten sollte. Der 96er zeigte sich mit einer schönen tiefroten Farbe und guten Reflexen. In der Nase blumig (ähnlich dem 95er) mit Trüffel-Touch, alkoholisch. Mundfüllender Gaumen, schöne Würze, gut stützender Alkohol, Tannine komplett integriert. Im Abgang bleibt die Schärfe unerwartet lang. Kein schlechter Wein, besser als der 95er.
1997 Vesuvio Vintage Port: Dominic Symingtons persönlicher Favourit. Ein toller Wein, der gerade im Begriff ist, sich zu öffnen. In der Nase dem 94er nicht unähnlich, wenn auch nicht ganz so komplex. Am Gaumen schärfer; die Einzelbestandteile (Alkohol, Frucht und Tannine) sind weniger integriert. Rote Früchte. Mittellanger bis langer Abgang. Ein toller Wein mit viel Potential. Ich lasse meine Flaschen aber noch mindestens 5-10 Jahre im Keller.
2000 Vesuvio Vintage Port: Die 2000er sind – bis auf ganz wenige Ausnahmen – derzeit sehr wenig zugänglich. Persönlich finde ich es unfair, diese Weine mit in eine Vertikalverkostung einzubauen, es sei denn, man ist sich dieses Stadiums bewusst. Sie machen derzeit selten Spaß. Da der Wein seit ca. 4 Stunden an der Luft war, begann er, ein wenig von seiner Stärke zu zeigen: Fast schwarze Farbe, voll ohne Alterungszeichen. Die Nase war recht verschlossen, zeigte aber unterschwellig schon die tiefe komplexe Struktur, die sie einmal haben wird. Im Mund war der Wein noch recht kantig, aber nicht sonderlich tief. Mittellanger Abgang mit ein wenig alkoholischer Schärfe. Kindermord!
2003 Vesuvio Vintage Port: Die 2003er sind im allgemeinen kurz davor, in den Dornröschenschlaf zu entschwinden. Leuchtendes Rot mit noch vorhandenden, aber abbauenden Reflexen. Sehr gute Struktur. In der Nase ähnlich zum 2005er voll, fruchtig mit schwarzer Johannisbeere. Auch am Gaumen Cassis und Johannisbeere; sehr dominante Tannine. Der Abgang war erstaunlich kurz (ein erstes Zeichen für den Beginn der Reduktionsphase). Ein guter Wein, den man aber die nächsten 10 bis 15 Jahre besser im Keller reifen lassen sollte.
2005 Vesuvio Vintage Port: Dieser Wein besitzt alles, was ein junger Vintage Port in diesem Stadium haben sollte: eine tiefe violette Farbe mit tollen Reflexen und einer sehr guten Struktur. In der Nase eine Fruchtbombe: Cassis und Johannisbeeren satt, scharfer Alkohol. Im Gaumen voll, fruchtig, Alkohol präsent und Tannine vorhanden – alles noch roh und wenig integriert, so wie es sein soll. Langer Abgang. Der Wein präsentiert sich sehr ähnlich zum 2003er in der jungendlichen Phase mit ähnlichem Alterungspotential, wenn auch nicht ganz so konzentriert. In Teilen kann ich die Amerikaner, die Vintage Ports oft sehr jung trinken, verstehen, denn auch Portweine in diesem Stadium haben durchaus ihren Reiz.
Nachdem die "Arbeit" getan war, hatten wir glücklicherweise noch genug Zeit zu plaudern. Dominic war sehr um uns bemüht und schenkte uns ständig nach bzw. beantwortete uns Fragen. So konnte er uns Stolz berichten, auch Eigentümer des sehr seltenen "Vesuvio-Möbelstückes" zu sein. Eine Art Schränkchen, in der die ersten 10 Jahrgänge mit je einer Flasche integriert sind. Ein Freund in England hat auch solch ein Stück, das ich mir beim nächsten Besuch auf jeden Fall mal anschauen muss.
Des Weiteren teilte er uns mit, dass bis inklusive des Jahrgangs 1991 die Vesuvio-Flaschen nummeriert waren, was auf Sammler immer einen besonderen Reiz ausstrahlt. Da die Symingtons ab 1992 für unterschiedliche Märkte jedoch auch unterschiedliche Labels entworfen haben, war die Nummerierung zu aufwändig, so dass sie ab diesem Zeitpunkt unterblieb. Auch teilte er uns mit, dass Deutschland aufgrund der sehr geringen Kenntnis über Portwein ein sehr schwieriger Markt sei.
FAZIT: Nicht oft bekommt man den ältesten und jüngsten Portwein einer Quinta – und alle wesentlichen Jahre dazwischen – vom Eigentümer in Deutschland zur Verkostung gereicht. Bei der Quinta do Vesuvio der Jahrgänge 1994, 1997, 2000 und (mit kleinen Abstrichen) 2003 ist großes Potential vorhanden. Insgesamt ein tolles Erlebnis und es bleibt dabei: Berlin ist immer eine Reise wert!
Axel Probst
Den Autor erreichen Sie unter: axelprobst@worldofport.de



Sehr schöner Bericht, Axel. Gratulation!
Kommentiert von: Michael | 09. Dezember 07 at 15:14 Uhr