Vvon Axel Probst
Nach dem Jahr 2000 und 2003 ist der Vintage 2007 endlich wieder ein klassischer Vintage Port-Jahrgang! Es ist ein außergewöhnlicher Jahrgang. Nicht, dass ich ihn hier schon mit anderen Jahrgängen vergleichen möchte, aber die meisten Vintage Ports des Jahrgangs sind bereits jetzt durch eine immense Frucht und viel Frische überraschend zugänglich. Es gibt Gerüchte, dass einige Ports für den amerikanischen Markt „zugeschnitten“ werden, der nach Vintage Ports verlangt, die jung trinkbar sind. Nicht wenige Ports zeigen ein (nahezu) perfektes Verhältnis zwischen Frucht, Tanninen, Alkohol und Säure. Manche zeigen sich eher elegant, während andere eine erstaunliche Komplexität aufweisen.
NEUERSCHEINUNGEN – 2007 wurden insgesamt 91 verschiedene Vintage Ports vom IVDP zugelassen. Erstaunlicherweise entscheiden sich in großen Jahren immer mehr Hersteller dazu, neben ihren Vintage Ports zusätzlich Single Quinta Vintage Ports herzustellen. Allen voran Churchills, Cockburn, Krohn, Ramos Pinto und Tedo, wobei die qualitativen Differenzen zwischen den Single Quinta Vintage Ports und den klassischen Vintage Ports stark variieren.

Mit dem Produzenten Duorum und dem Vintage Port von Dona Matilde gibt es in 2007 zwei Produzenten, die zum ersten Mal Vintage Ports herstellen. Duorum ist ein besonders interessantes Projekt, von dem wir in Zukunft sicherlich noch viel hören werden und Dona Matilde hat bisher hervorragende Tawny Ports hergestellt. Des Weiteren haben Niepoort mit dem „projecto“ Pisca und Vesuvio mit dem Capela da Vesuvio ihr (Vintage-) Portweinsortiment erweitert. Bei Vesuvios Capela wird das besonders hochwertige Vintage-Port-Segment in Angriff genommen, das bisher dem Nacional von Noval und Taylors Vargellas Vinha Velha vorbehalten war.

KLIMA – Die Saison 2006/2007 begann mit einem nassen Winter, der die Wasserreserven im Dourotal perfekt auffüllen konnte. Leider brachte auch der Frühling viel Niederschlag, so dass vereinzelt Hersteller Fäulnis an den Beeren bekämpfen mussten. Die sommerlichen Temperaturen des Jahres 2007 setzten überraschend früh ein und die Weinreben konnten sich mit viel Sonnenschein und anhaltender Trockenheit perfekt entwickeln. Nach einer Hitzewelle, die bis in die ersten Septemberwochen anhielt, war für die meisten Hersteller eigentlich schon klar, dass sie 2007 einen Vintage Port produzieren werden. Das Traubengut zeigte bei der Ernte hohe Zuckerwerte und ausgeglichene Säure. Die sehr lange Erntezeit von Mitte September bis zum 20. Oktober führte dann zu den unterschiedlichen Ergebnissen. Einige Hersteller haben zu früh geerntet und die letzten Wochen Sonne verschenkt.
MARKTSITUATION – Die Wirtschaftskrise ist auch im Dourotal angekommen. Gerade nicht-traditionelle Portweinmärkte verzeichnen im Vorjahresvergleich prozentual einen zweistelligen Rückgang. Deutschland bestellte in 2007 mit + 17% mehr Port als im Jahr zuvor. Da hierzulande ein sehr großes Wachstumspotential zu erwarten ist, werden sich die Produzenten in näherer Zukunft auf Deutschland konzentrieren.
OPEN UP – Die meisten der verkosteten Vintage Ports habe ich in verschiedenen Stadien in Portugal begleitet, alle aber nochmals in Deutschland über 3 Tage hinweg beobachtet. Zu lange sollte man einen jungen Vintage Port nicht dekantieren, bevor man ihn das erste Mal verkostet, da sonst die Primäraromen beginnen, sich zu verflüchtigen. Obwohl junge Vintage Ports in diesem Stadium durch ihre Frucht sehr verführerisch sind, konnte ich nicht umher zwischendurch auch mal wieder einen gereiften Port zu öffnen.

FAZIT VORAB – In 2007 ist für jeden Gaumen und für alle Erwartungshaltungen Vintage Ports dabei. Jetzt schon sehr ansprechend, werden die besten des Jahrgangs mühelos die ersten drei bis fünf Dekaden lagern können. Peter Symington, der immerhin über einen Zeitraum von 45 Jahren Jahrgangsports des Hauses Symington produziert hat, vergleicht diesen Jahrgang bereits mit dem legendären Vintage des Jahres 1970. Da ich im Januar 2009 die 70er Vintage Ports von mehr als 35 Herstellern verkostet habe, kann ich dann nur sagen: Reservieren Sie sich jetzt schon einen Platz im Keller!
NICHT DEKLARIERT haben unter anderem Gilbert, da Silva, Casal, dos Jordes, Castelinho, Vaseconcellos und Quinta do Cotto. Letztere bestätigen damit ihre sehr eigenwillige Deklarationsphilosophie, da sie bisher fast alle generell deklarierten Jahrgänge ausgelassen haben. Bei anderen kleinen Herstellern waren nach eigenen Angaben die Bestände in kürzester Zeit ausverkauft, so dass diese Hersteller an Journalisten keine Probeflaschen versendet haben und daher unerwähnt bleiben.
IN EIGENER SACHE – Da man meiner Einschätzung nach noch nie die Möglichkeit hatte, sich in Deutschland ein umfassendes Bild von den aktuellen Vintage Ports zu machen, veranstalte ich zusammen mit dem Portweininstitut IVDP am
12. Februar 2010 in Leverkusen eine sehr umfangreiche Präsentation der Vintage Ports 2007. Als kleinen Schmankerl bringen die Produzenten auch einen aktuellen LBV mit zur Probe. Eine Muss-Veranstaltung für den Portweinfreund und eine Premiere für den Deutschen Markt. Ich würde mich sehr freuen, Sie dort begrüßen zu dürfen.
DIE WEINE IM EINZELNEN (IN ALPHABETISCHER REIHENFOLGE)
(da es wieder recht umfangreiche Verkostungsnotizen geworden sind, schreiben Sie mir bei Interesse eine kurze email an: axelprobst@worldofport.de. Ich schicke Ihnen den vollständigen Bericht dann zu)
Andresen
Barros
Borges
Burmester
Calem
Churchill
Churchill da Gricha
Cockburn
Cockburn Canais
Crasto
Croft
Dalva
Delaforce
Duorum
Dow
Ferreira
Fonseca
Gould Campbell
Graham
Infantado
Kopke
Krohn
Krohn Retiro Novo
La Rosa
Martinez
Messias
Niepoort
Niepoort Pisca
Nova
Noval
Noval Silval
Offley Boa Vista
Passadouro
Pintas
Pocas Jr.
Portal
Quarles Harris
Quevedo
Ramos Pinto
Ramos Pinto Ervamoira
Romaneira
Romariz
Roriz
Rozés
Royal Oporto
Sandeman
Seara d’Ordens
Skeffington
Smith Woodhouse
Taylor
Taylor Vargellas Vinha Velha
Tedo
Tedo Savedra
Vale Dona Maria
Vale Meao
Valle Longo
Ventozelo
Vesuvio
Vesuvio Capela da
Vista Allegre
Warre
EXECUTIVE SUMMARY –SPREU UND WEIZEN sind in 2007 vertreten. Die Spitzenvertreter präsentieren volle, klassische, fast perfekte Vintage Ports, die man mit viel Freude jetzt schon genießen oder allemal für die Enkel – einige auch für die Urenkel - einkellern kann.
Lohnt es sich, ein aktuelles Jahr generell mit anderen Jahren zu vergleichen? Ich denke, dass es sich nicht lohnt, da erstens die klimatischen Voraussetzungen nie identisch sind und zweitens die Hersteller über die Jahre und Jahrzehnte Produktionsmethoden variieren. Meist werden diese Vergleiche eher aus Marketinggründen angestellt. Meiner Meinung nach wird 2007 einen würdigen Platz in der Reihe der generell deklarierten Jahre einnehmen und jede Vertikalprobe in Zukunft bereichern.
Axel Probst



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